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Autor Thema: ATEMGASE – „Atmen ist eine Kunst“  (Gelesen 12286 mal)
babata
Gast
« am: 06. Dezember 2008, 02:14:34 »

Dieser Bericht behandelt das Thema Atemgase, deren Eigenschaften und die Anwendung beim Tauchen sowie deren Auswirkungen auf den menschlichen Organismus.

Atemgas:
Ein Gasgemisch das für die Atmung mit einem Druckluftatemgerät verwendet wird nennt man „Atemgas“.
Während bei Atemgeräten die für den Überwassereinsatz gedacht sind ausschließlich Luft (Pressluft) verwendet wird, kommen beim Tauchen verschiedenen Gasgemische zur Anwendung.
Da mit zunehmendem Druck (Partialdruck) fast ein jedes Gas, ab einer gewissen Tiefe, toxisch wird, kommt es in jedem Tiefenbereich auf die richtige Atemgasmischung an!


DIE GÄNGIGSTEN ATEMGASKOMPONENTEN UND DEREN EIGENSCHAFTEN

Inertgase:
Inertgase sind Bestandteile eines Atemgases welche lediglich zur Verdünnung von Sauerstoff dienen und haben keinerlei Bedeutung für den menschlichen Stoffwechsel. (z.B. Stickstoff, Helium, Wasserstoff, Argon, etc.)
Diese Gase lösen sich unter erhöhtem Druck verstärkt im Organismus und reichern sich im Körpergewebe an (je aktiver der Organismus umso größer die Anreicherung). Bei nachlassendem Umgebungsdruck (beim Auftauchen) dehnen sich die im Gewebe gelösten Gase aus (aufsprudeln) und können zu lebensgefährlichen Gefäßverstopfungen und Blockaden im Organismus führen. Um so einer Erkrankung zu entgehen sind beim Auftauchen Dekompressionsstopps erforderlich in denen der Organismus Zeit hat diese Inertgase abzubauen.
Weiters werden fast alle Inertgase ab einer gewissen Tiefe toxisch bzw. sie wirken (auf verschieden Art) auf das zentrale Nervensystem (ZNS) ein.
Im menschlichen Organismus kommt es ständig zu einer „Diffusion“ von Gasen, das bedeutet es herrscht ein ständiges „Kommen und Gehen“ von Gasbläschen. Jeder neue Atemzug bewirkt einen Abbau des zuvor angereicherten Gases sofern es der Umgebungsdruck zulässt. Wenn man z.B. von einer Tiefe von 40 m auf 20 m aufsteigt reichert man den Körper in dieser Tiefe zwar mit neuem Stickstoff an aber es ist wichtig das die zuvor in der Tiefe angereicherten Gasbläschen (die sich beim Aufstieg ausdehnen) so weit abgebaut werden, dass sie bei einem weiteren Aufstieg keine Gefahr mehr darstellen.
Durch eine Erhöhung des Sauerstoffanteiles im Atemgas (Nitrox) erreicht man eine geringere Inertgasanreicherung bzw. einen schnelleren Gasabbau bei der Dekompression.
Vorsicht beim Tauchen mit starken Temperaturschwankungen. Wenn z. B. die Oberflächentemperatur über 20°C beträgt und in der Tiefe unter 10°C (oder sogar nur 4°C), dann dehnen sich die in der Tiefe angesammelten Gasbläschen nicht nur durch die Druckverminderung aus, sonder zusätzlich auch noch durch den Temperaturanstieg. Dadurch können sich Dekompressionszeiten verlängern oder müssen sogar neu berechnet werden. Deswegen sollte man nach einem Tauchgang niemals (zu warm) baden da es zu einer verspäteten Dekompressionskrankheit kommen kann.

Sauerstoff (Oxygen – O2):
Sauerstoff ist „ein“ bzw. „das“ lebenswichtige Gas und ist Bestandteil eines jeden Atemgases.
So lebenswichtig O2 auch ist, es kann ebenfalls ab einem gewissen Partialdruck giftig/toxisch werden. Ab einem PO2 von 1,4 bis 1,6 bar kann es zu einer Sauerstoffvergiftung (Oxidose) kommen. Über diesen Grenzwert hinaus ist das Risiko einer Vergiftung nicht mehr kalkulierbar bzw. einschätzbar. Die Toleranz des Grenzwertes hängt aber auch stark von der individuellen Empfindlichkeit des Körpers sowie von der körperlichen Aktivität bzw. Tätigkeit ab und weiters spielt die Dauer der man einen erhöhten Partialdruck ausgesetzt ist eine große Rolle. Eine Oxidose kann auch schon bei geringerem Partialdruck als 1,4 bar geschehen.
Sauerstoff ist ein aggressives bzw. reaktives Gas welches andere Materialien und Stoffe angreift bzw. zum „Oxidieren“ bringt. Das geschieht auch mit den menschlichen Zellen. Ab einer gewissen Konzentration kann der eigene Abwehr- bzw. Reparaturmechanismus des Körpers nicht mehr dagegen ankämpfen und eine Schädigung der Zellen bzw. des Organismus tritt ein.
100%er Sauerstoff wird als Dekompressionsgas bis zu einer max. Tiefe von 6,0 m verwendet und ist unerlässlich bei JEDER Art von Tauchererkrankung (auch bei einer Sauerstoffvergiftung). Eine Sauerstoffvergiftung kann eine Langzeitschädigung des Organismus zur Folge haben!

Stickstoff (Nitrogen – N2):
Das Inertgas Stickstoff ist der Hauptbestandteil unserer Atemluft (ca. 78%) und spielt beim Tauchen eine große Rolle. Neben den oben genannten Eigenschaften eines Inertgases führt eine zu hohe Anreicherung von Stickstoff zu einer berauschenden Wirkung (Tiefenrausch). Dieser Zustand ist ebenfalls abhängig von der körperlichen und gesundheitlichen Verfassung, der Tagesform, Gemütszustand, Beeinträchtigung durch Drogen und anderen Einflüßen.
Normalerweise muss ab einem Stickstoffpartialdruck von 3,2 bis 4 bar mit Symptomen eines Tiefenrausches gerechnet werden, können aber entsprechend der vorher genannten Gründe schon früher oder auch später eintreten.
Ein Taucher z.B., bei dem sich bislang immer erst bei 60 m akute Symptome gezeigt haben (mit Pressluft) kann dies plötzlich auch bereits bei 30 m passieren.
Eine Langzeitschädigung des Organismus durch die Wirkung von Stickstoff ist soweit nicht bekannt (abgesehen von Schäden die durch eine Dekompressionserkrankung verursacht werden).

Helium (He):
Helium ist nach Stickstoff das am häufigsten verwendete Inertgas beim Tauchen. Aufgrund der geringen Molekularstruktur von Helium löst es sich viel schneller im Gewebe als Stickstoff und ein Abbau bzw. eine Entsättigung findet ebenfalls schneller statt.
Paradoxer Weise kommt es durch diese erhöhten „Diffusionseigenschaften“ eher zu verlängerten Dekompressions- bzw. Aufstiegszeiten, da der Druck beim auftauchen weit vorsichtiger und langsamer reduziert werden muss, um ein „Aufsprudeln“ des Gases im Körpergewebe zu verhindern.
Helium hat ebenfalls unter erhöhtem Druck seine Auswirkungen auf das zentrale Nervensystem. Aufgrund der Kompression der Nervenbahnen in Verbindung mit dem Einfluss des Heliums kann es zum „High-Pressure-Nervous-Syndrome“ (HPNS oder umgangssprachlich „Heliumzittern“) kommen (unkontrolliertes Zittern, Kämpfe, Anfälle, etc.). Dabei spielt speziell die Abtauchgeschwindigkeit eine große Rolle. Bei technischen Tieftauchgängen ist eine hohe Abstiegsgeschwindigkeit gängig, um die Gasanreicherung beim Abstieg möglichst gering zu halten. Je nach Heliumgemisch und Abtauchgeschwindigkeit können diese Symptome ab einem bestimmten Tiefenbereich auftreten. In so einem Fall ist eine Verlangsamung des Abstieges erforderlich, um den Körper daran zu gewöhnen, oder die Einleitung der Notfallsmaßnahmen und der Abbruch des Tauchganges.
Aufgrund der geringen Dichte von Helium kommt es auch zu einem deutlich geringeren Atemwiderstand bei gleichem Druck. Dafür hat es aber eine sehr hohe Wärmeleitfähigkeit wodurch ein Heliumgemisch als Füllgas für den Trockentauchanzug nicht verwendet werden darf. Eine externe Gasversorgung (Luft oder Argon) für den Anzug ist erforderlich. Durch diese starken Wärmeleiteigenschaften kommt es bei extremen Kaltwassertauchgängen auch zu einer erhöhten Gefahr des Auskühlens des Körpers dafür wird das Risiko eines Einfrierens bzw. einer Vereisung der Gerätschaft verringert.
Laut Forschung (Versuche und Tests in Druckkammern) könnte es mit einem Heliumgemisch „theoretisch“ möglich sein, bei entsprechend, langsamen Aufstieg, Tauchtiefen von bis zu 600 m zu erreichen. Aber neben einer Vielzahl von anderen Risiken wäre der Aufstieg so zeitaufwendig, dass dies die Leistungsgrenze eines Menschen übersteigen würde.

Neon (Ne):
Neon ist ein Inertgas das nur sehr selten als Komponente von Atemgasen verwendet wird da es zum Einem sehr teuer ist und außerdem einen höheren Atemwiderstand aufweist als z.B. Helium.
Um das Risiko von HPNS (Heliumzittern) zu minimieren wird dem Atemgase Neon zugeführt um den Heliumanteil zu verringern. Das Helium kann aber auch ganz ersetzen werden, was jedoch nur in Sonderfällen geschieht (sehr schnelles Abtauchen).
Bei Neon können bei hohem Partialdruck ebenfalls toxische Eigenschaften bzw. Symptome auftreten.

Wasserstoff (Hydrogen – H):
Wasserstoff wird nur sehr selten angewendet. Aufgrund der geringen Dichte weist es noch bessere Dekompressionseigenschaften als Helium auf. Es findet nur Anwendung bei extrem tiefen und gegebenenfalls langen Tauchgängen.
Die größte Gefahr bei Wasserstoff liegt bei der leichten Explosionsgefahr. Deswegen darf ein solches Atemgasgemisch nur verwendet werden solange der Sauerstoffpartialdruck unter der Explosionsgrenze liegt.
Im Jahr 1992 wurde von der Fa. COMEX in einem Druckkammerversuch eine Rekordtiefe von 701 m erreicht. („Theoretisch“ sind Tauchtiefen bis zu 1000 m möglich welche nur noch von der praktisch noch nicht anwendbaren Flüssigkeitsatmung übertroffen werden kann.

Argon (Ar):
Beim Tauchen wird Argon, wegen seiner sehr schlechten Wärmeleitfähigkeit, eigentlich nur als Füllgas für Trockentauchanzüge verwendet. Aufgrund dieser Eigenschaft wird es in besonderen Fällen auch als Inertgas für Atemgasmischungen verwendet. Bei extremen Kaltwassertauchgängen, wie z.B. im Polarmeer, kann Argon als Zusatz von Atemgasmischungen verwendet werden. Durch die schlechten Wärmeleiteigenschaften erhöht sich bei Kaltwassertauchgängen auch die Gefahr einer Vereisung der Gerätschaft.
Nachteil am Argon ist seine sehr schlechte Diffusionseigenschaft bzw. das es vom Organismus nur sehr langsam abgebaut werden kann. Dadurch kommt es zu sehr lange Deko-Zeiten wodurch folglich tiefe bzw. lange Tauchgänge nur sehr bedingt durchgeführt werden können.


DIE GÄNGIGSTEN ATEMGASGEMISCHE

Luft (Pressluft):
Luft ist das Hauptgasgemisch unserer Atmosphäre welches wir stets an der Wasseroberfläche einatmen. Es besteht aus ca. 78% Stickstoff und ca. 21% Sauerstoff sowie (verschwindend) geringe Anteile(<1%), bestehend aus Kohlendioxid und verschiedenen Edelgasen (hauptsächlich aber das Edelgas Argon).
Luft (bzw. Pressluft) ist das am häufigsten verwendete Atemgasgemisch beim Tauchen.
Die max. Einsatztiefe liegt bei 40 m, darüber hinaus ist das Risiko eines Tiefenrausches nicht mehr kalkulierbar. Oxidose ab ca. ~60 m (PO2=1,47 bar).
Bei militärischen Kampftruppen wie bei den Kampftauchern oder den Navy Seals liegt die max. Einsatztiefe, bei Verwendung von Pressluft, bei 54 m, jedoch ist eine hervorragende körperliche Fitness und Gesundheit, eine gesunde Lebenseinstellung (kein Alkohol, kein Rauchen und keinerlei Drogen) sowie regelmäßiges Training Grundvoraussetzung für ein solches vorgehen.  
Mit Pressluft wurden bereits Tauchgänge über 100 m erreicht. Ein Tauchversuch eines Weggefährten von Jacques Cousteau, auf 130 m Tiefe, endete mit dem Tod. Im Grund ist ein jeder Tauchgang mit Pressluft, welcher Tiefer als 40 m geht, ein Spiel mit dem Leben (bzw. Tod).

Sauerstoff:
Beim technischen Tauchen wird reiner Sauerstoff als Dekompressionsgas verwendet, um die Dekompressionszeiten zu verkürzen. Da der toxische Grenzwert von Sauerstoff bei einem Partialdruck von 1,6 bar erreicht wird, darf 100%iger Sauerstoff nur bis zu einer Tiefe von max. 6 m angewendet werden und ist (wie bereits oben genannt) unerlässlich bei JEDER Art von Tauchererkrankung.
(Eine Sonderanwendung ist die Verwendung in Sauerstoff-Kreislaufgeräten …Rebreather.)

Nitrox:
Nitrox besteht aus Stickstoff (NITRogen) und Sauerstoff (OXygen). Der Unterschied zur Pressluft liegt in der höheren Konzentration von Sauerstoff (größer als 21%). Durch die Verwendung von Nitrox-Gasgemischen sind aufgrund des geringeren Stickstoffanteiles längere Tauchzeiten bzw. kürzere Dekompressionszeiten möglich. Nitrox wird auch als Dekompressionsgas verwendet.
Aufgrund des max. PO2-Wertes von 1,4 bar verringert sich die Tauchtiefe entsprechend der Erhöhung des Sauerstoffanteils.
Ein Besonderes Nitrox-Gemisch besteht aus 27% Sauerstoff und 73% Stickstoff (Idealwert: 27,2% und 72,8%). Es wird gerne von „Berufstaucher“ bei (kleineren) Arbeiten bis in eine Tiefe von 40 m verwendet (max. 45 m).
Der Vorteil dieser Mischung liegt in der Anpassung der beiden Partialdruckgrenzwerte. Der max. Partialdruck von Stickstoff ist mit Pressluft bereits bei 40 m erreicht, der Grenzwert von Sauerstoff erst ab 60 m. Durch die leichte Erhöhung des Sauerstoffanteiles werden diese Grenzen so angepasst, dass die „theoretische“ Maximaltiefe auf 45 m Tiefe erhöht werden kann.
Aber Vorsicht!
1.) bei einer Tiefe von 45 m beträgt der PO2-Wert bereits 1,5 bar (für Sporttaucher gilt max. 1,4 bar) und der Stickstoff ebenfalls bei 4,0 bar (max. Wert).
2.) Nur weil die Werte angepasst werden bedeutet das nicht, dass die Risiken deswegen geringer werden. Im Gegenteil! Mit Pressluft ist der Abstand zwischen den Grenzwerten so groß, dass bei 40 m Tiefe eher nur die Gefahr einer Stickstoffnarkose wahrscheinlich ist (eine Oxidose ist aber trotzdem nicht ausgeschlossen!). Bei 45 m (aber auch schon bei 40 m) stehen beide Grenzwerte derart auf Maximum dass die Gefahr eines Tauchunfalls sogar vervielfacht wird. Deswegen gilt für Sporttaucher ebenfalls eine max. Tiefe von 40 m (39 m). Diese Tiefe wird von Berufstauchern auch nur in Ausnahmefällen (bis 45 m) überschritten (event. nur bei kurzem Aufenthalt)!
Unter den Nitrox-Gemischen hat eines mit 26 bis 27% Sauerstoffanteil die besten Dekompressionseigenschaften ohne die max. Sporttauchtiefe zu verringern.  

Argon-Mix:
Argon-Mix ist ein sehr selten verwendetet Gasgemisch bestehen aus Sauerstoff, Stickstoff und Argon. Es findet bei extremen Kaltwassertauchgängen, wie z.B. im Polarmeer, als Atemgaszusatz seine Anwendung, um eine Auskühlung des Körpers über die Lunge zu verhindern bzw. zu verringern. Nachteil ist die schlechte Diffusionseigenschaften des Gases und daraus folgende, lange Dekompressionszeiten. Weiters wird das Risiko einer Vereisung der Tauchgeräte erhöht.

Trimix:
Trimix besteht aus den Gasen Stickstoff, Sauerstoff und Helium und wird beim technischen Tauchen bis über 200 m Tiefe verwendet. Durch die Verringerung des Partialdruckes von Stickstoff und gegebenenfalls von Sauerstoff, ist ein tieferes Tauchen möglich. Sobald jedoch der O2-Anteil auf unter 21% verringert wird kann das Atemgas nicht mehr ab der Oberfläche geatmet werden.
Gängige Mischverhältnisse sind (O2/He): [Tx21/35] bis 45 m, [Tx18/45] bis 60 m, [Tx15/55] bis 75, [Tx12/60] bis 90 m, [Tx10/70] bis 120 m.
"Normoxic-Trimix" (Trimix mit 21% O2l) kann auch tiefer als 45m eigesetzt werden, jedoch ist beim gesamten TG (in Verbindung mit Deko-Gasen) auf die max. ZNS-Sättigung zu achten.

Triox:
Triox ist eine Form von Trimix, besteht ebenfalls aus Sauerstoff, Stickstoff und Helium und wird beim Tauchen bis 60 m verwendet. Ausschlaggebend ist, dass das Gemisch an der Oberfläche bis in eine Tiefe von 60 m geatmet werden kann.
Übliche Mischungen sind (O2/He/N2): 30/30/40 …bis 40 m sowie 21/35/44 …bis 60m. Ein weiterer Vorteil liegt in den verbesserten Dekompressionseigenschaften des Gasgemisches.

Heliair:
Heliair ist ein Sonderfall von Trimix bei dem in ein bestehendes Pressluftgemisch ein gewisser Anteil an Helium (entsprechend der Berechnung) beigefügt wird. Durch das Beifügen von Helium werden der Sauerstoff und der Stickstoff Anteilsmäßig verringert. Dadurch sinkt der Sauerstoffpartialdruck unter 0,21 bar und das Atemgas kann nicht mehr an der Oberfläche geatmet werden. Der Vorteil des Gasgemisches liegt in der vereinfachten Flaschenfüllmethode wodurch die Kosten und der Aufwand der Füllung verringert werden können.

Neox:
Neox besteht aus den Gasen NEon und Sauerstoff (OXygen) (und event. Helium).
Um ein das Risiko von HPNS (Heliumzittern) zu verringern wird dem Atemgase Neon zugeführt. Es wird nur sehr selten verwendet da das Gas recht Teuer ist und schlechtere Diffusionseigenschaften als Helium aufweist.

Heliox:
Heliox besteht aus den Gasen HELIum und Sauerstoff (OXygen). Der Vorteil liegt darin, dass kein Stickstoff vorhanden ist und es dadurch zu keiner narkotischen Wirkung kommen kann. „Theoretisch“ könnten Tiefen bis zu 600 m erreicht werden. Die Nachteile liegen im Preis, bei der Gefahr von HPNS (Heliumzittern) und es kann durch die hohe Wärmeleitfähigkeit zur Unterkühlung der Lunge kommen wodurch das Atemgas künstlich erwärmt werden muss.

Hydreliox:
Hydreliox besteht aus den Gasen Wasserstoff (HYDRogen), hELIum und Sauerstoff (OXygen). Aufgrund der Explosionsgefahr darf ein solches Atemgasgemisch nur verwendet werden solange der Sauerstoffpartialdruck unter der Explosionsgrenze liegt. Die „Theoretische“ Maximaltiefe liegt bei über 700 m (bisher nur in einer Dekokammer getestet).

Hydrox:
Hydrox besteht aus den Gasen Wasserstoff (HYDRogen) und Sauerstoff (OXygen).
Gegenüber dem Hydreliox besteht bei diesem Gasgemisch eine noch höhere Explosionsgefahr, da es ausschließlich aus Wasserstoff und Sauerstoff besteht. Mit zunehmender Tiefer wird der Sauerstoff Anteil (verschwindend) gering.  „Theoretisch“ sind Tauchtiefen bis zu 1000 m möglich (Sauerstoffanteil < 0,01%) welche nur noch von der praktisch noch nicht anwendbaren Flüssigkeitsatmung übertroffen werden kann.


SONDERFÄLLE BZW. ZUKUNFTSWEISENDE METHODEN

Flüssigkeitsatmung:
Die Flüssigkeitsatmung ist ein experimentales Verfahren der Tauchtechnik und Tauchmedizin, bei dem der Gasaustausch in der Lunge nicht über Luft bzw. ein Atemgasgemisch, sondern über eine mit Sauerstoff angereicherte Flüssigkeit erfolgt. Dieses Verfahren wurde im Labor erfolgreich durchgeführt.

Vorteile:
- Eine Dekompression im heutigen Maßstab wäre nicht notwendig, sie wäre einfacher und kürzer.
- Eine Sättigung von Inertgasen im Gewebe entfallen weitgehend und der Gasaustausch der Lunge beschränkt sich auf den Austausch von Sauerstoff und Kohlendioxid.
- Die komplexe Verwendung eines Atemgasgemisches incl. Inertgases (Helium, etc.) ist nicht mehr notwendig, komplexe Gaswechsel entfallen weitgehend.
- Eine Druckregeltechnik zum Ausgleich des wechselnden Wasserdrucks, wie sie heute im Lungenautomaten existiert, wäre nicht notwendig bzw. würde gänzlich anders aussehen. Das Volumen der mit Flüssigkeit gefüllten Lunge ist durch die inkompressible Flüssigkeit tiefenunabhängig.

Nachteile:
- Hoher Atemwiderstand der Flüssigkeit. Zur Überwindung wäre vermutlich in der Tauchpraxis eine technische Hilfe (Zwangsbeatmung) notwendig.
- Auskühlung oder Überhitzung des Tauchers über die Atmungsflüssigkeit.
- Keine Kommunikation möglich.
- Entsorgung des ausgeatmeten Kohlendioxides über die Flüssigkeit.
- Keine klare Sicht bei gefluteter Tauchmaske sowie die direkte Auswirkung der Flüssigkeit auf die Augen.
- Druckausgleich im Mittelohr.
- Gefahrenfreie und biologisch verträgliche Umstellung von Flüssigkeitsatmung auf Gasatmung und zurück.
- Die noch nicht entwickelte technische Tauchapparatur mitsamt Flüssigkeitsaufbereitung und Reserve sowie die Gewährleistung der Sterilität, Sicherheit und Energieversorgung. Die Tauchapparatur müsste weiter Flüssigkeitszirkulation und Temperierung sicherstellen.

Künstliche Kiemen:
Unter den Begriff „künstliche Kiemen“ versteht man eine Methode bzw. eine Gerätschaft mit der es möglich ist Sauerstoff aus dem Wasser zu entnehmen und das entstehende Kohlendioxid wieder in das Wasser wieder abzugeben. Dies erfolgt durch spezielle Membrane.

Ungelöste Probleme sind unter anderem:
- Die für den Menschen notwendige Sauerstoffmenge muss von dem Gerät aus dem Wasser entnommen werden.
- Die notwendige Größe der Membranfläche zum Erzielen dieser Menge muss berücksichtigt werden (beim Menschen derzeit noch ca. 25 m²)
- Die notwendige Wasserumwälzung an der Membran zur Erbringung dieser Menge muss berücksichtigt werden.
- Die Haltbarkeit der Membrane muss berücksichtigt werden.
- Die Notwendigkeit von Atemgasgemischen muss berücksichtigt werden.


Ich hoffe die Zusammenstellung über Atemgase ist für euch informativ …kürzer hab ich’s leider nicht geschafft!

Lg
Babata
« Letzte Änderung: 13. Mai 2011, 00:35:57 von babata » Gespeichert
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nur Trimix is besser


« Antworten #1 am: 24. Januar 2010, 12:03:16 »

Toll ausgearbeitet ! Selten so schön konzentriert das Wesentliche auf den Punkt gebracht gesehen.
Hab ich ausgedruckt und meinen Tauchunterlagen zugefügt.
Klasse !
L.g. Opi1
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babata
Gast
« Antworten #2 am: 24. Januar 2010, 12:42:45 »

Toll ausgearbeitet ! Selten so schön konzentriert das Wesentliche auf den Punkt gebracht gesehen.
Hab ich ausgedruckt und meinen Tauchunterlagen zugefügt.
Klasse !
L.g. Opi1

so etwas hört man immer wieder gerne!
danke für das lob!
lg
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Maoi
Gast
« Antworten #3 am: 24. Januar 2010, 18:18:07 »

Tolle Fakten und Infos!
Das über die Flüssigatmung find ich toll!

Danke
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Franz
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« Antworten #4 am: 03. Mrz 2013, 18:16:10 »

@babata: Bin auf der Suche nach Helium auf Deinen Beitrag gestoßen - sehr informativ, danke.

Gut Gas
Franz  Smiley
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DonPedro
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Beiträge: 14


« Antworten #5 am: 03. Mrz 2013, 20:14:50 »

@babata: Bin auf der Suche nach Helium auf Deinen Beitrag gestoßen - sehr informativ, danke.

Gut Gas
Franz  Smiley

Also verwertbare Heliumvorkommen findest Du in USA, Algerien, Russland und Katar.
Bereits abgefüllt bei Gaslieferanten z.B. Linde Gas
Freiverfügbar in unserer Atmosphäre ca. 0,4%

 Wink und meistens in meinen "Ausatemgasgemisch" bei meinen Tauchgängen  Wink

gruss
DonPedro
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